DIGITALE TRANSFORMATION – CHANCE UND BEDROHUNG

Die Geschichte hat gezeigt, dass immer wieder Prozesse entstehen, ausgelöst durch neue Technologien, welche das Leben aller Menschen auf dem Planeten beeinflussen. Angefangen mit der Erfindung des Rades, über die Dampfmaschine, bis hin zur Produktion des ersten Computers. Auch wenn sie durch die zeitliche Spanne bedingt unterschiedlicher nicht sein könnten, so hatten all diese Veränderungen doch eines gemeinsam: Sie brachten Gewinner und Verlierer hervor, wobei Anpassungsfähigkeit stets einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren war. Genau solch ein Veränderungsprozess ist seit mehreren Jahren wieder in vollem Gange, er nennt sich Digitale Transformation.

UNBEGRENZTE MÖGLICHKEITEN DURCH DIGITALISIERUNG

Ein Großteil der Welt digitalisiert sich, egal ob Verwaltung, Bildung oder Wirtschaft. Örtliche und zeitliche Beschränkungen entfallen und Daten können von überall abgerufen, verarbeitet und gespeichert werden. Gefühlt erscheinen fast wöchentlich neue digitale Innovationen, die sich auf das Leben der Menschen und die Wirtschaft massiv auswirken. Große Firmen, die sich aus reiner Bequemlichkeit oder einer konservativen Denkweise heraus vor der digitalen Transformation verschließen, drohen stark an Aufmerksamkeit zu verlieren oder gar ganz zu verschwinden, während innovative Startups über Nacht zum neuen Star einer Branche avancieren können. So ahnten die beiden Unternehmer und Programmierer Jan Koum und Brian Acton im Jahre 2009 wahrscheinlich nicht das Ausmaß, in dem sie mit der Gründung von WhatsApp Inc. die Telekommunikationsbranche für immer verändern würden. Innerhalb kürzester Zeit gerieten die kostenpflichtigen und somit für die Telekommunikationsbranche wichtige Einnahmequellen SMS und MMS so stark in Vergessenheit, dass die nächste Generation gar nicht mehr wissen wird, was es überhaupt mit diesen dubiosen Kürzeln auf sich hat.
Somit gelang es einem Startup mit der Entwicklung einer einzigen App eine gesamte Branche umzukrempeln. Derlei Beispiele gibt es zuhauf, und die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Zwar wird die Telefon-Funktion WhatsApps bis jetzt kaum benutzt und allgemein eher belächelt, aber die Verantwortlichen in vielen Telekommunikationsunternehmen werden die eine oder andere Stirn sorgenvoll in Falten legen, sobald diese Funktion einwandfrei funktioniert und perfekt in den Rest der App integriert ist.
Ein wichtiger Faktor, den die Digitalisierung mit sich bringt, ist die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sich Innovationen und Trends verbreiten können. Portale wie Facebook, Twitter oder Reddit erlauben es Usern jede Art von Content mit nur einem einzigen Klick zu teilen. Das kann zu einer Kettenreaktion führen, die mehr Leute erreicht, als jede Fernsehnachricht oder Radiomeldung zur besten Sendezeit. So wurde die simple App Flappy Bird (ein Spiel, bei dem man mit einem animierten Vogel Hindernissen ausweichen muss) innerhalb weniger Tage zum absoluten Hit, und der Programmierer Dong Nguyen zog sie, trotz schätzungsweise 50.000 verdienter Dollar pro Tag, aus dem Verkehr, weil ihm der Trubel zu viel wurde.

UNTERNEHMEN IM DIGITALEN WIRBELSTURM

Im Angesicht dieser Veränderungen führte der Netzwerkspezialist Cisco im Juni 2015 gemeinsam mit der Wirtschaftshochschule International Institute of Management Development (IMD) in Lausanne eine weitläufige Studie mit Unternehmen aus 13 Ländern durch, um in Zahlen und Fakten auszudrücken, wie alteingesessene Konzerne und Startups auf den digitalen Wirbelsturm reagieren. Dabei kamen Ergebnisse ans Licht, die für die einen beunruhigend und für die anderen nach der Chance ihres Lebens klingen mögen, doch egal aus welcher Perspektive man sie betrachtet: sie sprechen für die Notwendigkeit von Veränderung.
So halten zwar 72% der befragten Unternehmen die Digitalisierung für etwas Gutes, aber dennoch besitzen 44% noch kein strategisches Konzept für diesen massiven Wandel. Genau diese abwartende Haltung kann schnell zur Falle werden. Selbst wenn man sich vornimmt, Strategien erfolgreicher Wettbewerber sofort zu adaptieren, so vergibt man ein riesiges Potential und bezweckt vermutlich nur Schadensbegrenzung. Die Mutigen und Risikobereiten waren es seit jeher, die aus solchen Phasen der Veränderung als Sieger hervorgingen. So gehören Apple und Microsoft heute zu den größten Unternehmen der Welt, weil sie sich als erstes trauten den Computer massentauglich zu machen, und teilen bis heute den Markt untereinander auf.
Laut der Studie planen lediglich 25% der Unternehmen neue Wege zu gehen und die digitale Transformation zu nutzen, um sich an die Spitze des Wettbewerbs zu setzen. Natürlich werden manche dieser Unternehmen auf der Strecke bleiben und wiederum andere werden nicht das gewünschte Ergebnis erzielen, aber einige von ihnen werden mit Sicherheit für ihren Pioniergeist belohnt und am Ende zu den ganz Großen gehören.
Aber es sind nicht nur alteingesessene Firmen, die bedroht werden. Wie ich anhand WhatsApp bereits dargelegt habe, können sich ganze Branchen durch den digitalen Wirbelsturm für immer verändern. Laut Cisco gilt das vor allem für Media & Entertainment, Telecommunication, Retail und Hospitality/Travel.
Die Digitalisierung und das Internet allgemein bieten unzählige Möglichkeiten, von denen uns wahrscheinlich bisher nur ein Bruchteil bewusst ist. Alles was man braucht, ist Mut zum Risiko, eine Idee und das nötige technisches Know-how.

DAS MARKETING VERLAGERT SICH

Eine sich wandelnde Wirtschaft bedeutet gleichzeitig auch eine Veränderung im Marketing. Doch sollte das Marketing nicht auf den Wandel warten, sondern Teil des Prozesses werden. Es gibt immer noch viele Marketeers, die sich vor der Digitalen Transformation verschließen oder die bevorstehende Veränderung unterschätzen, sei es aus Unwissen, aus Angst vor dem Neuen oder dem Glauben es sei nur ein weiterer Trend.
Doch wichtige Medien verändern sich ebenfalls zu Gunsten der Digitalisierung oder verlieren an Beliebtheit. Immer mehr Zeitungen setzen auf E-Versionen fürs Tablett oder sind bereits komplett online lesbar. Ältere Generationen greifen zwar aus Gewohnheit immer noch öfter zur gedruckten Version, aber wie sieht es in zehn Jahren aus? Auch das Fernsehen verliert immer mehr an Bedeutung. Streamingdienste wie Netflix bieten für ein paar Euro im Monat eine riesige Mediathek an Filmen und Serien, welche permanent abgerufen werden können, während interessante Programme im Fernsehen oft zu unpassenden Zeiten laufen.
Das Internet wird langsam aber sicher zur stärksten Werbeplattform, weil es unglaublich umfangreich ist, weil es anpassbar ist und weil es für die meisten bereits alltäglich und allgegenwärtig ist. Laut Ciscos Studie „Digital Vortex“ könnten 40% der befragten Unternehmen die digitale Transformation nicht überstehen, wenn sie nicht energisch gegensteuern. Dabei braucht es nicht eimal die neue bahnbrechende Produktinnovation, um gewappnet zu sein – ein mutiges Marketingkonzept kann schon der Schlüssel sein, um nicht nur zu überleben, sondern gestärkt aus der digitalen Transformation hervorzugehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.