MEERKAT VS. PERISCOPE: LIVESTREAMING-APPS IM VERGLEICH

Livestreaming ist zweifelsfrei einer der aktuellsten digitalen Trends. Nachdem Marktführer Meerkat Platz 1 erobert hat, bringt der Mikroblog Twitter seine eigene Livestreaming App Periscope auf den Markt. Der Kampf darum, die beliebteste Livestreaming-App zu sein, läuft. Und neue Fragen kommen auf: Ist „twittern“ jetzt out? Sagen wir nun alle nur noch „meerkatten“ und „periscopieren“? Und welche ist nun eigentlich die bessere Livestreaming-App? Wo liegen die Vor-und Nachteile? Sind Livestreaming-Apps die neue Form der Kommunikation?

Wir haben für Sie einmal beide Apps getestet und sind zu einem interessanten Fazit gekommen.

Beide Apps verfolgen das gleiche Ziel: Video-Live-Übertragung. Mit einem Klick besteht die Möglichkeit, via Smartphone live auf „Sendung“ zu gehen.

MEERKAT

Seit März 2015 ist Meerkat auf dem Markt und wird als Senkrechtstarter der Branche betitelt. Das kleine süße Erdmännchen auf gelben Hintergrund ist das Wiedererkennungszeichen der App. Meerkat wurde am 27. Februar 2015 von einem 10-köpfigen Start-up veröffentlicht.

1. ANMELDUNG

Kaum ist die App heruntergeladen und geöffnet, folgt die Aufforderung: „Bitte melde dich mit Twitter an.“ Ohne Twitter geht bei Meerkat nichts: Eine Möglichkeit den Stream mit Facebook oder anderen Social Media Kanälen zu verknüpfen besteht nicht. Nach der Registrierung musste man seine Telefonnummer hinzufügen, um dann eine SMS mit einer Registrierungsnummer zu erhalten. Nach zehn Minuten grüßt dann endlich die Meerkat-Startseite.

2. ERSTE SCHRITTE

Um erst einmal ein Gefühl für die App zu bekommen, habe ich die erste vorgeschlagene Person angeklickt, nennen wir sie Lydia. Mein erster Eindruck: Die Liveübertragung ging relativ schnell vonstatten und die Qualität ist sehr gut. Das Bild ist sehr klar und die Tonqualität hervorragend. Jedoch ist der Bildschirm sehr überfüllt und wirkt dadurch sehr unübersichtlich. Zuschauer können live kommentieren; die neuen Kommentare werden fortlaufend eingeblendet, wodurch der Stream ein wenig wie ein Live-Chat wirkt. Des Weiteren werden auf dem Bildschirm Lydias Twitter-Followeranzahl und die aktuellen Zuschauer angezeigt. Oben links in dem schwarzen Kästchen sind die Kontaktdaten von Lydia abgebildet und rechts daneben das Stream-Thema. Im unteren Teil findet man verschiedene Funktionsbuttons: unten links ist eine Sprechblase abgebildet, die ermöglicht Kommentare zum aktuellen Stream zu verfassen. Auf der rechten Seite gibt es den „Home“ Button, um den Stream zu verlassen, ein Herz, um den Stream zu liken und einen Restream Button, um den Stream neu zu starten.

3. WEITERE ERKENNTNISSE

So interessant war Lydias Stream über Musik dann doch nicht und so beendete ich ihre kleine „Sendung“. Zeit, einen weiteren Stream aus meinen “Neuigkeiten” auszuprobieren. Doch statt der Live-Schaltung öffnete sich die Meldung „Stream wurde beendet.“ Schade!

Ich erkundete daraufhin die weiteren Funktion der App: Rechts oben findet man ein Leaderboard mit Personen und die entsprechenden Scores. Auf dem Leaderboard werden die 100 aktivsten Streamer angezeigt. Doch was bedeuten die Scores? Scores sind die Anzahl der Twitter-Follower, die sich auch mit Meerkat verbunden haben. Somit entsteht für die User ein Gamificationansatz, wer die meisten Likes und Follower bekommt.

4. EIGENER STREAM

Genug der Vorbereitung. Ich habe dann einen eigenen Stream gestartet: Bei der Live-Schaltung bekommen meine Twitter-Follower eine direkte Benachrichtigung über meinen Live-Gang. Zuerst musste ich das Thema meines Streams eingeben. Ich habe es “Büro-Alltag” genannt und startete einen Rundgang durch unser Büro. Doch nach dem Versuch meine Kamera zu wechseln, hat sich der Stream aufgehängt und der Bildschirm wurde schwarz. Ich musste die App beenden und habe einen zweiten Anlauf gestartet. Diesmal nehme ich mir vor, die Kameraeinstellung so beizubehalten. Der Stream ist genau so aufgebaut wie bei Lydia: Links oben erscheinen meine Zuschauer (in diesem Fall 0). Rechts oben steht mein Thema “Büro-Alltag” und in der unteren rechten Ecke sind die Kamera-Funktionen aufgelistet: Licht, Kamerasicht wechseln und Video stoppen. Meerkat setzt auf Vertical Video. Mit anderen Worten: Das Smartphone sollte hochkant gehalten werden. Die App erlaubt zwar quer zu filmen, doch die Zuschauer sehen weiterhin das Video im Hochkant-Format.

Bislang besteht nach Beendigung des Streams nicht die Möglichkeit, das Video zu archivieren und an einem späteren Zeitpunkt darauf zurückzugreifen. Eine weitere Möglichkeit, das Video auf dem Smartphone zu speichern, ist auch nicht gegeben.

PERISCOPE

Die App Periscope wurde von Twitter aufgekauft und ging drei Wochen nach Meerkat für iOS auf dem Markt. Die App ist bis dato der größte Konkurrent von Meerkat. Seit Ende Mai ist die App auch für Android-Nutzer verfügbar.

1. DIE ANMELDUNG

Hier verläuft die Anmeldung einfacher und schneller. Natürlich musste ich mich auch hier mit Twitter anmelden, musste jedoch keine Telefonnummer von mir preisgeben. Doch laut Internetrecherchen hat Periscope die Funktion eingefügt, sich ohne Twitter und nur mit einer Handynummer anzumelden. Für ein Android betriebenes Smartphone war das bei mir noch nicht der Fall.

Periscope wirkt auf dem ersten Blick im Vergleich zu Meerkat weniger grell, sehr geradlinig und mit seinen Grundfarben grau und blau modern und zeitgemäß.

2. ERSTE SCHRITTE

Nach der Anmeldung gelangt man zu einer Übersichtsseite, die in der oberen rechten Ecke drei Symbole abbildet: einen Fernseher, der symbolisiert, wer von meinen Twitter-Followern „live“ online ist. Daneben ist zeigt eine Weltkugel eine „global list“ an von Menschen, die gerade livestreamen. Beim Community-Logo werden „featured“ Users angezeigt, die von Periscope beworben werden.

Aus meiner „global list“ habe ich mir “Expo Milano 2015” mit dem Stream #ExpoTube/Events – Dance Ensemble Performance @RussiaExpo2015 rausgepickt. Der Stream war innerhalb von drei Sekunden geladen. Mein erster Eindruck: Bild ist leicht verpixelt, aber dafür überschaubar und nicht mit ablenkenden Symbolen und Bildern zugepflastert. Lediglich die Anzahl der teilnehmenden Zuschauer ist unten rechts abgebildet; daneben wird in leicht transparenter Schrift der Chatverlauf angezeigt. Am unteren Bildschirmrand kann man ein Overlay nach oben ziehen, welches die Thematik, den Streamer und die Zuschauer darstellt.

3. EIGENER STREAM

Nun bin ich wieder an der Reihe, meinen eigenen Stream zu schalten. Auf der Startseite befindet sich rechts unten ein Button, wo ich per Klick den Stream (hier wird er “Broadcast” genannt) starten kann. Ein wesentlicher Unterschied zu Meerkat zeigt sich schon beim Start: Ich kann als erstes zwischen Private und Public auswählen. Außerdem kann ich bei „Public“ bestimmen, ob der Stream bei Twitter gepostet werden soll, ob nur meine Community den Stream verfolgen kann oder durch den Ortungsdienst auch unbekannte Leute aus meiner Umgebung den Stream betrachten dürfen. Wie auch bei Meerkat bekommt der Broadcast eine Betitelung – und los geht’s! Ich kann ohne Probleme die Kameraperspektive von der Frontansicht und wieder zur Backansicht hin und her wechseln und es entstehen dabei keinerlei Verzögerungen. Doch auch hier verwendet Periscope die Vertical Video Funktion. Nach Beendigung des Streams bekomme ich eine Videozusammenfassung, mit der Dauer und Anzahl der Zuschauer angezeigt. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass der Stream auf dem Smartphone gespeichert werden kann.

FAZIT

Grundlegend ist festzuhalten, dass beide Apps den gleichen Zweck verfolgen und weitgehend den gleichen Aufbau aufweisen: Der Live-Stream kann mit einem Klick erstellt und dann auf Twitter publiziert werden. Bei beiden Apps können die Zuschauer den Stream sowohl kommentieren als auch liken.

Die wesentlichen Unterschiede werden in den Feinheiten deutlich: Das Design ist immer Geschmackssache, aber in meinen Augen wirkt jenes von Periscope angenehmer als das etwas schrille Meerkat-Gelb. Periscope bietet auch mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Stream-Erstellung: Während der User bei Meerkat nur die Möglichkeit hat, den Stream auf Twitter zu posten, kann bei Periscope zwischen Twitter-Usern, Periscope-Usern, Leuten aus der Umgebung und dem privaten Gebrauch ausgewählt werden. Außerdem bietet Periscope nach Beendigung des Streams die Möglichkeit für die vorher ausgewählte Zielgruppe an, das Video noch 24 Stunden nach Übertragung aufzurufen. Des Weiteren kann das Video in der Galerie auf dem Smartphone gespeichert werden – bei Meerkat werden die Aufnahmen dagegen nicht gesichert.

Bei Meerkat hat mir die Ansicht des Livestreams nicht gefallen. Der Bildschirm ist viel zu überfüllt mit Bildern, Symbolen und den Chataktivitäten, so dass man leicht die Orientierung verlieren kann.

Problematisch an beiden Apps kann für einige User der hohe Bedarf an Datenvolumen sein. Sie sollten vorsichtig sein, wenn Sie einen Stream öffnen oder sogar selber einen erstellen. Achten Sie darauf, eine gute WLAN-Verbindung zu haben, sonst erreichen Sie schnell die Grenze Ihres Datenvolumens. Zum anderen sind die User bei beiden Apps dazu verpflichtet, den Stream im Hochformat zu schalten. Eine Verbindung zu anderen Social Media Kanälen wie YouTube oder auch Facebook besteht bis lang weder bei Meerkat noch bei Periscope.

Sie sind neugierig geworden? Dann ran an die Smartphones, und periscopieren oder meerkatten Sie mit Ihren Followern. Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen mit den beiden Apps!

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