Rettet Mixed Reality die Zeitungsverlage?

Sieht so das Lesekabinett der Zukunft aus?

Ja, richtig gelesen: Zeitungsverlage. Mixed Reality und Zeitungsverlage – wie soll das zusammengehen?! Vielleicht erscheint die Vorstellung gerade noch etwas schwer. In nicht allzu ferner Zukunft könnten aber interessante Symbiosen entstehen. Ein Revival der guten, alten Zeiten, in denen Opa mit Pfeife im Lehnstuhl saß und im großformatigen Sportteil der Zeitung schmökerte. Dann natürlich mit E-Pfeife und Datenbrille…

Nicht jede neue Technik ist eine Revolution. Mixed Reality ist es. Warum? Mixed Reality verbindet mit Leichtigkeit bereits Bekanntes mit Innovationen, die unseren Alltag bereichern. Eine gute Voraussetzung beim „Gewohnheitstier Mensch“ zu punkten – auch in Sachen Lesegewohnheiten.

Immer noch nicht überzeugt? Dann sollten wir einen Blick auf die Technik werfen!

Future-Setup für Lektüre-Freaks

Auch unsere Lesegewohnheiten haben sich mit der Technisierung des Alltags weiterentwickelt: Smartphone und E-Reader sind zum gängigen elektronischen Papierersatz geworden. Die gute alte Print-Zeitung erscheint dagegen fast wie ein aussterbendes Medium. Ein Phänomen, das nicht nur aufgrund der wegbrechenden Stellen für Print-Journalisten immer wieder heftig diskutiert wird.

Doch sollten wir die Zeitung und Zeitungsverlage nicht allzu schnell abschreiben. Mit derzeit entstehenden Techniken wie faltbaren Screens oder eben Mixed-Reality-Brillen, die erschwinglich und nicht größer als eine gewöhnliche Lesebrille wären, ist ein Revival durchaus vorstellbar. Natürlich etwas abgeändert und natürlich nicht mehr so ganz „print“.

Zeitung der Zukunft: Ressourcen schonend, updatefähig, interaktiv – und trotzdem faltbar

Wie könnte die Zeitung der Zukunft also aussehen? Und was wären ihre Vorteile?

Die Faltbarkeit eines Screens ist nicht nur ein Gimmick für Nostalgiker. Denn eines muss der alten Zeitung – egal ob im Nordischen oder Berliner Format zugestanden werden – die Größe des Formats bietet mehr Platz für Inhalte als ein gewöhnlicher E-Reader oder Screen im Smartphone-Format. Und auch für die Haltung bei der Lektüre hat ein größeres Format einige Vorteile – außer natürlich in der Bahn.

Auch andere Vorteile liegen – wie bei bereits existierenden E-Readern – auf der Hand: Da die Inhalte durch das Elektrophorese-Verfahren der E-Tinte keinen ständigen Stromverbrauch generieren, wäre die irgendwie doch mit E-Tinte „gedruckte“ Zeitung der Zukunft stromsparend. Und natürlich müssten auch keine Bäume für eine Ausgabe abgeholzt werden.

Neben diesen umweltschonenden Aspekten sticht die Updatefähigkeit hervor. Die Zeitung der Zukunft könnte somit die Hintergründigkeit und das großflächigere Format des Print-Journalismus mit der Schnelligkeit des Online-Journalismus verbinden. Denkbar wäre etwa eine Mischung aus sich schnell updatenden Meldungen im Screen neben großformatigen hintergründigen Reportagen – ähnlich wie in heute bereits existierenden E-Paper-Ausgaben. Insbesondere hintergründigere Artikel wären über das Format aber leichter zugänglich als über den kleinen Screen eines Smartphones, E-Readers oder Tablets.

Eine Mischung aus Printausgabe und E-Paper

Wie sähe das konkret aus? Stellen wir uns beispielsweise vor, wir betrachten die Titelseite. Hier sehen wir neben einigen Teasern in der Mitte des Screens, die längere, hintergründigere Artikel im Innenteil anreißen, sich immer wieder updatende, brandaktuelle Meldungen an den Seiten. Bei Anwahl der kürzeren Meldungen erhalten wir alle Daten, die hierzu bereits vorliegen – inklusive kurzer Einschätzungen der Redaktion.

Gerade die hintergründigen Artikel im Innenteil warten aber mit deutlich mehr Informationen – sowohl in Text als auch in (Bewegt-)Bild – auf. Sie sind der eigentlichen Anreiz für den Leser, da sie durch die Verbindung verschiedenster Inhaltsformen ein ganz neues informatives Erlebnis schaffen.

Neue Wege für Zeitungsverlage: Datenbrille und Mixed Reality könnten zum Zukunfts-Setup für die Lektürestunde werden.
Neue Leserituale: Mit Datenbrille und Mixed Reality könnten Zeitungsverlage in naher Zukunft ihrer Leserschaft neue Welten erschließen.

Mixed Reality und Zeitungsverlage: Visionen 

Was das Verhältnis von Mixed Reality und Zeitungsverlagen angeht, müsste – zumindest momentan – noch etwas visionärer gedacht werden. Sobald Mixed-Reality-Brillen die Größe von normalen Lesebrillen erreicht haben, ist es durchaus vorstellbar, dass sich ein Format wie oben erwähnt sehr gut durch Augmented Reality-Inhalte anreichern ließe. Neben Artikeln ließen sich so etwa Hologramme oder auch Diskussionen und related topics zum Artikel auf Wunsch einblenden. Ganz einfach, etwa durch Ansteuerung mit den Augen.

Das Leseerlebnis könnte sogar durch spezielle Gadgets näher an die historische Zeitungslektüre in den Lesekabinetten des 18. Jahrhunderts heranreichen. Durch connectable devices könnten gemeinsame größere Displays entstehen. Durch zusätzlich buchbare Inhalte im Abonnement, die nur durch das Zusammenspiel der Geräte sichtbar würden, könnte das gemeinsame Lesen, Anschauen und Diskutieren der Inhalte zu sozialen Interaktionen abseits des Screens beitragen und die Kundenbindung erhöhen.

Hat die klassische Zeitung eine Zukunft?

Sicherlich: Hierbei handelt es sich noch um Visionen. Dennoch sollte das Zusammenspiel von klassischem Zeitungsverlagen, Journalismus, Virtual Reality und Augmented Reality nicht zu klein gedacht werden. Wir befinden uns momentan in einer Phase, in der die Zukunft dieser neuen „synthetischen Realität“ gestaltet werden kann.

Für den Print-Journalismus, der sich seit jeher durch Hintergründigkeit, aber auch durch das „haptische Ritual“ auszeichnet, ist das eine Chance, verlorenen Boden wieder gut zu machen. Denn auch in Sachen Haptik entwickeln sich die Screens bereits weiter. Vielleicht wird Mixed Reality der klassischen gedruckten Zeitung nicht zu neuen Höhenflügen verhelfen. Sie könnte jedoch in Zusammenspiel mit anderen technischen Innovationen dazu beitragen, die Vorteile älterer Lesepraktiken mit den Vorzügen der Online-Medien zu verbinden und in die Zukunft zu überführen.

Kein fauler Kompromiss, sondern letztlich eine Weiterentwicklung, die für die „Gewohnheitstiere“ beider Welten attraktiv sein könnte.

 

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